Exakt vier Monate oder 120 Tage nach dem letzten Großfeldspiel elf gegen elf stand für die 60er endlich mal wieder ein "richtiges" Fußballspiel an. Dazwischen lagen ein paar wenige Hallenturniere, zwei Schmimmbadbesuche, fünf abgesagte Testspiele und x-fach ausgefallenes Training. Die angedachte Freiluft-Saisonvorbereitung erwies sich jedenfalls als ziemlich desaströs. Dass die Konkurrenz ebenfalls unter dem harten Winter zu Leiden hatte, ist da nur ein schwacher Trost.
So groß die grundsätzliche Freude, endlich mal wieder vernünftig gegen den Ball treten zu können, also auch war, so mulmig war deshalb auch das Gefühl zum eigenen Leistungsvermögen. Was würde man nach so langer Pause noch drauf haben? Würde man an die gute Form der Herbst-/Winterserie anknüpfen können? Fragen über Fragen, auf die heute Antworten gefunden werden sollten. Dass es dabei gegen Werder, dem Vizemeister der Herbst-/Winterrunde ging, die durch ihre Erfolge auch den sportlichen Aufstieg in die nächsthöhere Staffel erreicht hatten und nur deshalb noch in unserer Liga spielen, weil sie durch ein weiteres Werder-Team blockiert werden, sahen die 60er durchaus als Vorteil. So waren die Rollen vor dem Spiel klar verteilt, denn natürlich gehören die Grün-Weißen nicht nur zu den Top-Meisterschafts-Kandidaten, sie sind auch als klarer Favorit in die heutige Begegnung gegangen. Die 60er hatten nichts zu verlieren, konnten nur positiv überraschen, nur gewinnen.
Etwas Sorge bereitete den 60ern der Ausfall gleich beider Innenverteidiger, was zwangsläufig zu einer völlig umgestalteten Defensive führte. Pech auch bei der Seitenwahl, die von den Gastgebern gewonnen wurde. Die Werderaner entschieden sich mit dem sehr starken Wind im Rücken zu beginnen. Die 60er hätten es genauso gemacht, wahr aber leider nicht. Nicht so toll auch, dass mal wieder kein Schiedsrichter erschienen ist und der gastgebende SV Werder einen Schiedsrichter aus den eigenen Reihen stellen musste. Letztlich sind die verlorene Seitenwahl und sehr seltsame Schiedsrichterentscheidungen als wichtige Mosaiksteinchen in der Bewertung der späteren Niederlage zu sehen. Das wussten wir zu diesem Zeitpunkt aber natürlich noch nicht.
Sofort mit Spielbeginn drückten die körperlich weit überlegenen Werderaner die 60er mit Unterstützung des starken Windes in deren Hälfte. Die ersten Minuten standen die 60er zwar recht gut, gegnerische Chancen ergaben sich nur nach Fernschüssen, aber einigen Rot-Schwarzen stand der Respekt vor den teils sehr großen Werderaner Jungs deutlich ins Gesicht geschrieben. Statt mutig-aggressiv agierten einige 60er eben eher vorsichtig-zaghaft. Das wirkte sich besonders vor den Toren zum 1:0 und 2:0 für Werder aus. Die neue unerfahrene Innenverteidigung stand in entscheidenden Momenten zu weit weg vom Gegner und diese hatten dadurch leichtes Spiel. Zur Ehrenrettung der Spieler sei jedoch erwähnt, dass sie im Minutentakt lernten und ihre Sache zunehmend besser machten. Die Fehler der Anfangsphase machten sie später nicht wieder. Das Pech der Verteidigung war aber noch nicht zu Ende, denn ein weiterer Abwehrspieler verletzte sich und musste durch eine sehr gut spielende Leihgabe der 4.C ersetzt werden. Unions eigentliche Defensive hatte sich somit in Luft aufgelöst, war schlicht nicht mehr vorhanden. Und dann das 3:0 für Werder. Ein Eckball wird mit Unterstützung des Windes direkt unterhalb der Latte an den Innenpfosten geweht und springt von da ins Netz. Dieses Tor hätte keine Abwehr, kein Torwart der Welt verhindern können, ein Traumtor.
Nun endlich konnten sich die 60er etwas aus der Umklammerung lösen und selbst zu vielversprechenden Angriffen ansetzen. Bald konnte sich ein 60er Stürmer durchsetzen und eine Ergebnisverbesserung zum 1:3 bewirken. Aber stop, der Schiedsrichter mochte den Treffer nicht geben, weil der 60er Stürmer den wohl fast doppelt so schweren Werderaner Abwehrspieler weggerempelt haben soll. Unglaublich. Diese Entscheidung konnte noch nicht einmal die Werderaner Fanbegleitung nachvollziehen.
Nach der Pause hatten nunmehr die 60er den Wind im Rücken und es dauerte nicht lange, bis sie mit einem schönen Fernschuß jetzt aber wirklich das 1:3 erzielen konnten. Es schloss sich die beste Phase der 60er an. Mit schönen Kombinationen wurde schnell das Mittelfeld überbrückt und einige Male brannte es vor dem Werderaner Tor lichterloh. Das war jetzt aus 60er Sicht richtig gut anzusehen und irgendwie hatte man das Gefühl, dieses Spiel ließe sich vielleicht doch noch drehen. Doch dann benachteiligte der Schiedsrichter die 60er zum zweiten Mal massiv. Am Ende eines Werderaner Entlastungsangriffs schoben sich die Grün-Weißen den Ball in deutlicher Abseitsposition im 60er-Strafraum den Ball gegenseitig zu - kein 60er ist auch nur annähernd in der Nähe - und schießen den Ball ins Tor und der Schiedrichter gibt es. Weil es in der Geschichte des Weltfußballs wohl selten ein deutlichers Abseitstor gegeben hat, konnte in den Gesichtern der Werderaner Anhängerschaft nunmehr auch durchaus sowas wie Schamesröte diagnostiziert werden werden, nur half das den 60ern leider herzlich wenig. Statt eigentlich 2:3 und noch mittendrin lagen sie jetzt eine gute Viertelstunde vor Spielende fast aussichtslos 1:4 zurück.
Dieser erneute Drei-Tore-Rückstand und das aufkommende Gefühl, nicht nur gegen Werder, sondern auch gegen den Schiedsrichter spielen zu müssen, verfehlte seine Wirkung nicht. Die Begegnung hatte seine spielentscheidenden Momente hinter sich und auch mit der 60er-Herrlichkeit war es fortan wieder vorbei. Die Spieler ergaben sich ihrem Schicksal und mussten noch drei weitere Gegentreffer hinnehmen, ehe sie selbst noch ein wenig Ergebniskorrektur betreiben konnten. Gegen den letzten 60er-Treffer hatte dann auch der Schiedsrichter nichts mehr einzuwenden, schließlich war Werders Erfolg jetzt ungefährdet.
Nach der Begegnung muss leider festgestellt werden, dass sich Auswärtsspiele bei Werder Bremen langsam zum Ärgernis entwickeln. Zum zweiten Mal in dieser Saison mussten die 60er beim großen grün-weißen Nachbarn antreten, zum zweiten Mal ist der angesetzte Schiedsrichter nicht erschienen, zum zweiten Mal pfiff ein Werderaner-Heimschiedsrichter und zum zweiten Mal wurden die 60er massiv benachteiligt und das als jeweils körperlich deutlich unterlegenes Team. Nach der Hinrunden-Begegnung gegen die U17-Juniorinnen (
Bericht) hatte man jetzt auch gegen Werders 6.C den Schiedsrichter als unüberwindliches Hindernis gegen sich. Eine Erfahrung, die, wie man so hört, viele Gastmannschaften des SV Werder derzeit machen müssen. Fast scheint es, der Erfolg heiligt jedes Mittel, Hauptsache Werder gewinnt. So macht das keinen Spaß, so wird die Fairness mit Füßen getreten und so schadet man nicht zuletzt der eigenen (Werder-) Mannschaft. Denn, und auch das ist Teil der Wahrheit, Werder war über weite Teile die bessere Mannschaft und hätte wahrscheinlich auch ohne Unterstützung des Schiedsrichters gewonnen. Als Union60 nach einem zunächst beruhigenden Werder-Vorsprung besser ins Spiel kam und die Begegnung nochmal spannend wurde, stellte der "Schiedsrichter" jedoch die Weichen für einen deutlichen Werder-Sieg. So gehören auch die Werder-Jungs zu den Leidtragenden, denn ihrem Erfolg haftet der Makel an, diesen Sieg vor allem auch mit Hilfe des Schiedrichters erreicht zu haben. Das aber haben die Werder-Jungs nicht verdient, denn sie selbst sind jederzeit fair aufgetreten und sicherlich waren sie über die gesamte Spielzeit gesehen auch die bessere Mannschaft.
Soweit zur ärgerlichen Story rund um das Spiel. Eine wirkliche Siegchance hatten die 60er aufgrund der Gesamtumstände nie, aber wie wie ja auch schon erwähnt, tut diese Niederlage auch nicht weh. Mit der eigenen Leistung konnten die 60er trotz der hohen Niederlage zufrieden sein, denn phasenweise war das Spiel richtig gut und insgesamt hat die Mannschaft sicher auch um zwei bis drei Tore zu hoch verloren. Die Mannschaft war sehr viel besser als es das Ergebnis vermuten lässt und das Team weiß jetzt auch etwas besser, in welcher Form es sich befindet. Blöd ist auch, dass nach diesem Spiel aufgrund der Osterferien eine erneute vierwöchige Pause mit auch nur eingeschränkten Trainingsprogramm ansteht. Wenn es wieder losgeht, wird unser Leistungsvermögen erneut fraglich sein.