Glücklich unglückliche 60er trotzen Tabellenführer Werder/U17-Mädchen Punkt ab (Saison 2009/10 - 3.C)
Mit der Begegnung gegen die U17-Mädchen des SV Werder standen die 60er vor einer bislang ungewohnten Situation, denn nie zuvor haben sie gegen ein reines Mädchen-Team gespielt. Weil die Werderanerinnen zudem als haushohe Favoriten galten, war es doppelt interessant, wie sich die Jungs aus der Affäre ziehen würden.
U. a. die folgenden beeindruckenden Fakten ließen die Mädchen favorisiert ins Match gehen:
- Die Werder-Mädchen sind verlustpunktfreier Tabellenführer (acht Siege aus acht Spielen) gewesen, während die 60er im Tabellenmittelfeld rumdümpeln (vier Siege, vier Niederlagen)
- Werders M-U17 sind amtierende Norddeutsche Fußballmeisterinnen und fast alle(?) Spielerinnen gehören der Bremer Landesauswahl an. Ein Mädchen gehört sogar Kader der Deutschen U17-Nationalmannschaft an. Dem hat Union60 nichts auch nur annähernd Vergleichbares entgegen zu setzten
- Einige Werderanerinnen zählten bereits 16 Lebensjahre, während Union mit Zwölfjährigen angetreten ist.
- Aufgrund des Alterunterschiedes von bis zu fast vier Jahren bestand eine deutliche körperliche Überlegenheit der Mädchen. Aus selben Grund darf auch ein geistiger Reife-Unterschied als gesichert unterstellt werden (Tut mir Leid Jungs, aber es ist so ;-))
- Die 60er haben noch nie gegen ein Mädchen-Team gespielt und wussten nicht was sie erwartet. Hingegen spielen die Werderanerinnen pausenlos und sehr erfolgreich gegen Jungen-Mannschaften, sind also auch gut vorbereitet.
Was den 60er ein wenig Mut machte, ist die eigene aktuell gute Form, die daraus resultierenden Ergebnisse der jüngeren Vergangenheit (2:1 gegen Findorff, 22:0 gegen Habenhausen) und der feste Glaube an die eigene Stärke. Vielleicht würde man auch etwas unterschätzt. Weil das angesichts der aufgeführten Werder-Vorteile aber doch etwas wenig war, hätte man, würde es nur nach der Papierform gehen, die Punkte eigentlich auch gleich über den Zaun an den großen Nachbarn geben können. Aber Fußball ist anders. Jedes Spiel fängt bei null an und Erfolge der Vergangenheit sind nichts als schöne Erinnerungen. Immer wieder gibt es Überraschungen. Heute auch ...
Der Spielverlauf der ersten Halbzeit war recht monoton. Die Mädchen wussten mit einer guten Raumaufteilung zu überzeugen, standen gut zum Ball sowie den eigenen Mitspielerinnen. Einigermaßen ball- und kombinationssicher ließen sie das Spielgerät gut durch die eigenen Reihen laufen und kamen dadurch zu Feldvorteilen. Allerdings, und das war schon eine kleine Überraschung, ging es dabei doch sehr bedächtig, fast langsam zu, so dass die 60er kaum in ernsthafte Bedrängnis kamen. Die 60er wirkten spritziger und und konnten, auch weil sie zudem selbst sehr gut gestaffelt standen, die Kontrahenten in Grün-Weiß immer wieder entscheident stören. Eine wirkliche Gefahr für das eigene Tor drohte eigentlich nur nach Ecken, weil man auch immer hoffen musste, dass die Mädchen ihre Größen-Vorteile nicht nutzen. Haben sie zum Glück auch nicht. In Sachen individueller Ballfertigkeit den Mädchen mindestens ebenbürtig und zudem mit Schnelligkeitsvorteilen ausgestattet, gelangen den 60ern auch zwei, drei gute Konter, die aber noch ohne Erfolg endeten. Mit 0:0 wurden die Seiten gewechselt.
Die zweite Halbzeit sollte dann deutlich unterhaltsamer werden. Auf 60er Seite nahm man, nachdem auch der zweite Spielabschnitt ganz gut begonnen hatte, ca. in der 40. Minute einige Umstellungen vor, die der Mannschaft aber nicht gut bekommen sind. Die Abstimmung in der Defensive stimmte nicht mehr und bei Ballbesitz agierte man zu umständlich. Prompt und erstmals (danach auch nicht wieder) kamen die Werder-Mädchen zu einem knapp 10 Minuten anhaltenden Power-Play und setzten die 60er mächtig unter Druck. Gewissermaßen spricht das ja auch für die Klasse der Mädchen. Kaum zeigt der Gegner Schwächen, sind sie da. Momente der Unordnung in Unions Hintermannschaft wurden eiskalt ausgenutzt und innerhalb kürzester Zeit zogen die Mädchen auf 2:0 davon. Die Situation war jetzt so, dass der Favorit deutlich in Führung lag und die Begegnung den mehrheitlich vorausgesagten Verlauf zu nehmen schien. Noch vor wenigen Wochen wären die 60er wohl nicht in der Lage gewesen, die sich abzeichnende Niederlage abzuwenden. Aber die Mannschaft hat sich gut entwickelt, ist nach den jüngsten Erfolgen voller Selbstvertrauen und kann jetzt auch schwere Spiele drehen.
Die 60er stellten nochmal um, waren bald wieder gut im Spiel und konnten die Aufholjagd starten. Zugute kam ihnen vielleicht, dass sie wohl zum zweitenmal vom Mädchen-Team unterschätzt wurden. Einige Spielerinnen hatten das Spiel offensichtlich schon gewonnen ...
dummerweise gaben die Jungs sich jedoch nicht verloren. Nach einem blitzschnell vorgetragenen Konter, dem die Mädchen abermals nicht folgen konnten, fiel der Anschlußtreffer zum 1:2 und das Spiel wurde richtig spannend. Werder ist es nicht mehr gelungen, in den alten, spielbestimmenden Rhythmus zu kommen, worauf die Spielerinnen zunehmend frustriert und genervt reagierten. Das Spiel, das wohl 50 Minuten ohne einen einzigen Freistoß ausgekommen ist, wurde seitens der Werder-Mädchen härter. Teilweise wussten sie sich jetzt nur mit Foulspiel zu behelfen. Der eigentlich gute Schiedsrichter hätte sicher gut daran getan, wenn er seine Pfeiffe jetzt doch das eine oder andere Mal betätigt hätte. Hat er aber nicht.
Wenige Minuten vor Spielende vertendelte die Werder-Abwehr den Ball, ein 60-Stürmer konnte dazwischen sprinten und den Ausgleich erzielen. Noch waren zwei bis drei Minuten zu spielen, Werder wackelte gehörig und Union wollte den Sieg. Und dann die letzte Minute. Mal wieder wurde ein 60er-Stürmer glänzend aus dem Mittelfeld bedient, lief seiner Gegenspielerin davon und setzte gerade zum Umkurven der Torhüterin an, wozu er etwas das Tempo rausnehmen musste, als er mit einem Tritt zu Fall gebracht wird. Eine "100-Prozentige" Torchance ist zunichte gemacht und der Schiedsrichter lässt einfach weiterspielen. Bei korrekter Regelauslegung hätte es Rot für Werder ("Notbremse") und Elfmeter oder zumindest einen Freistoß an der Strafraumgrenze für Union60 geben müssen. Kurz darauf war die Begegnung beendet.
Diese Szene erhitzte die Gemüter: Der Bildschirmausschnitt des Youtube-Videos lässt mehr erahnen als wirklich erkennen, dass die Werderanerin den U60-Spieler am Fuß trifft. Den Ball trifft sie jedenfalls nicht. Der Schiedsrichter versagte den 60ern jedoch den Elfmeter in der letzten Spielminute. Video zeigen
Zufrieden mit der eigenen Leistung und gleichzeitig angesäuert über den ausgeblieben möglichen Sieg zeigten sich die 60er unmittelbar nach Spielende etwas unentschieden in der Beurteilung des Ergebnisses. Sollen sich die Jungs mal freuen, denn über das ganze Spiel gesehen geht das 2:2 in Ordnung. Und auch die Werder-Mädchen durften später noch jubeln. Weil auch die Konkurrenz um die vorderen Plätze gepatzt hat, stehen die Werderanerinnen bereits zwei Spieltage vor Saisonende als Wintermeister und Aufsteiger in die nächsthöhere Klasse fest. Wer die Tabelle so souverän anführt, hat diesen Erfolg ganz sicher auch verdient. Herzlichen Glückwunsch.
Auch der SV Werder hat einen Bericht geschrieben:
Werders weibliche U 17-Talente haben sich vorzeitig den Titel in ihrer Bremer Staffel gesichert. Zwei Spieltage vor dem Ende der Winterserie ist den Grün-Weißen mit sieben Punkten Vorsprung die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen. Nach der Winterpause kämpfen sie somit in der Bremer Staffel 1 um Tore und Punkte.
Alles andere als meisterlich war dagegen der Auftritt der jungen Werderanerinnen am vergangenen Wochenende. Gegen die dritte C-Jugend des FC Union 60 kam Werder nicht über ein 2:2-Unentschieden hinaus. Zwar bestimmten die Gastgeberinnen die gesamte Partie, doch vor allem im Abschluss zeigte man sich zu unentschlossen. So dauerte es auch bis zur zweiten Halbzeit, ehe man in Führung ging. Einen Alleingang schloss Meggie Schröder zum 1:0 ab (41.). Der Bann schien gebrochen, denn nur zwei Minuten später erhöhte Nathalie Martens nach Querpass von Schröder auf 2:0 (43.).
Das sollte es dann aber auch schon mit der Offensive der Grün-Weißen gewesen sein. Anstatt weiter Druck zu machen, ruhte man sich auf dem Vorsprung aus und ließ den Gast etwas besser in das Spiel kommen. Die Nachlässigkeiten sollten sich rächen. Mit zwei späten Toren glich Union 60 noch zum 2.2 aus (60./68.). „Wir haben heute gedacht, dass die Partie schon irgendwie läuft. So haben wir auch gespielt, wir haben die Begegnung einfach so dahinplätschern lassen“, war Co-Trainerin Nadin Stubbemann mit ihrem Team nicht zufrieden.
(Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des SV Werder Bremen)
Kritischer mit der eigenen Mannschaft gehen die Werder-Fans mit ihrem Team um. Im Forum des 1. OFFC (1. Offizieller Frauenfußball Fanclub SV Werder) schreibt "werderdaddy":
nur mit glück und einer grün weißer brille haben die mädels heute nicht verloren kein rechter biss im zweikampf und der wille zum abschluß hat gefehlt
schade die können mehr
(Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des 1.OFFC)
Zur Situation in der letzten Spielminute ist sich auch "Hardy 1658" nicht ganz sicher:
Auch die B 17 spielte heute gegen Union 60. Nach einer recht sicheren 2-0 Führung mussten sie noch 2 Gegentore hinnehmen. In letzter Minute kam ein Unionspieler im(am)Strafraum zu Fall,der Schiri ließ aber weiterspielen. Könnte eine Fehlentscheidung gewesen sein.
Gruß Hartmut
(Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des 1.OFFC)
Letztlich ist das Unentschieden wohl gerecht. Die Mädchen haben sich ein Fleißpünktchen durch die ständige Feldüberlegenheit redlich verdient, zumal sie zwischenzeitlich ja auch mal kurz wie der sichere Sieger aussahen. Allerdings hatten sie am Ende Glück, nicht noch als Verlierer vom Platz zu gehen. Die 60er dürfen sich hingegen glücklich schätzen, nach einem Zwei-Tore-Rückstand gegen die stärkste Liga-Mannschaft nochmal ins Spiel zurückgefunden zu haben. Da muss man dann auch mal mit einem Unentschieden zufrieden sein.
Möglicherweise ist dieses Spiel gegen die Werder-U17-Mädchen unser am besten dokumentiertes Spiel überhaupt. Berichte und Fotoalben befinden sich im Internet auf der Werder-Seite, auf den Seiten des Werder-Frauenfussball-Fanclubs und natürlich bei den "Schaffis". Links zu allen Seiten gibt es
hier.